Einstellungskomponenten hinsichtlich einer Existenzgründungsabsicht – eine empirische Untersuchung unter Studierenden und Meisterschülern - Fr. Zuber
Abstract
Die Anzahl der Existenzgründungen mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung hat in Deutschland innerhalb der letzten Jahre kontinuierlich abgenommen. Eine Erforschung der Ursachen dieses Rückgangs sollte auch die Person des Gründers berücksichtigen, da diese den Ausgangspunkt aller Gründungsaktivität darstellt. Innerhalb der Gründungsforschung bestehen zahlreiche Ansätze und Theorien zu den Motiven und Einflussfaktoren, die eine Person bei der Entscheidung für die Gründung einer eigenen Existenz beeinflussen.
Innerhalb der Literaturanalyse dieser Arbeit ist ein Bezugsrahmen entwickelt worden, anhand dessen Forschungsarbeiten zu dem Zusammenhang von personinternen und –externen Faktoren mit der Gründungsaktivität ausgewertet werden. Hierbei gilt es, die verschiedenen Ansätze kritisch zu würdigen. Eine Erklärung der Gründungsaktivität anhand von Persönlichkeitseigenschaften wird zumeist mittels des komplexen Ansatzes der sechzehn Primärfaktoren von Cattell vorgenommen. Da eine ebenso umfassende, aber kompaktere Darstellung der Persönlichkeit anhand von fünf Faktoren (Big Five) möglich ist, wird eine Anwendung dieses Ansatzes auf die Person des Gründers nahe gelegt. Des Weiteren werden die innerhalb der Gründungsforschung häufig angewendeten Motivansätze bewertet. Durch eine studienübergreifenden Auswertung von Forschungsergebnissen kann gezeigt werden, dass das Leistungsmotiv, das Unabhängigkeitsstreben und ein internes Machbarkeitsdenken einen positiven Zusammenhang mit der Gründungsaktivität aufweisen. Die Untersuchungsergebnisse zu der Risikobereitschaft lassen hingegen keine eindeutigen Aussagen zu. Da diese Ansätze primär Erkenntnisse zu den Eigenschaften der Person des Gründers liefern, werden ebenfalls Forschungsarbeiten zu dem Einfluss von personenbezogenen Merkmalen ausgewertet. Hierbei wird ein Einfluss von dem Alter und der Ausbildung auf die Gründungsaktivität festgestellt, welcher jedoch nur unter Berücksichtigung komplexer Wirkungszusammenhänge sinnvoll möglich ist. Eine Analyse von Studien zu personexternen Faktoren zeigt, dass externe Einflüsse, wie bspw. die Arbeitslosigkeit, einen Beitrag zu der Erklärung der Gründungsaktivität leisten.
Die Erkenntnisse der Literaturanalyse münden in einer Vorstellung der prozessorientierten Ansätze, welche eine prozessuale Verknüpfung von unterschiedlichen Faktoren unter Berücksichtigung ihrer Wirkungszusammenhänge vornehmen. Die Theory of planned Behavior von Icek Ajzen stellt einen derartigen prozessorientierten Ansatz dar. Empirische Anwendungen auf verschiedenste Verhaltensweisen bestätigen das Modellkonstrukt dieser Theorie und legen die Möglichkeit einer Erklärung der Gründungsaktivität nahe. Da eine derartige Anwendung bislang nur unzureichend vorgenommen worden ist, werden im Rahmen dieser Arbeit mit einer Befragung von Studierenden und Meisterschülern einzelne Teilkomponenten des theoretischen Modells auf die Gründungsaktivität angewendet. Hierbei handelt es sich um die subjektiv wahrgenommenen Konsequenzen einer Existenzgründung, wichtige Bezugspersonen und Kontrollfaktoren, die eine Gründung erleichtern oder erschweren können. Die empirische Untersuchung zeigt, dass die mit der Gründung einhergehenden Risiken und das flexible Einkommen häufig wahrgenommene Konsequenzen darstellen. Herkunftsfamilie und Freunde beeinflussen den Weg in die Selbständigkeit und sowohl die eigene finanzielle Lage, als auch die Lage der Wirtschaft stellen relevante Kontrollfaktoren dar.
Die Literaturanalyse zeigt die Notwendigkeit der Entwicklung eines umfassenden Ansatzes, der eine Rekonstruktion des individuellen Weges in die Selbständigkeit ermöglicht. Innerhalb der Gründungsforschung gibt es bis heute keine derartige Theorie und zahlreiche Studien verwenden bestehende Modellkonstrukte, deren Unzulänglichkeiten bereits durch andere Forscher festgestellt worden sind. Eine Anwendung der Theory of planned Behavior soll mit dieser Arbeit nahe gelegt werden.