Der Einfluss der Gründerpersönlichkeit auf die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg. Bestimmung potentieller Persönlichkeitseigenschaften sowie Ansätze zu deren empirischer Überprüfung - Frank Schwesig
Abstract
Die Person des Gründers ist neben der eigentlichen Geschäftsidee sowie der Branchen- und Marktstruktur eine der zentralen Faktoren, die sich auf die Gründungsaktivität und den Gründungserfolg auswirken. Die Anzahl der Persönlichkeitsmerkmale des Gründers, die Einfluss auf die Gründungsaktivitäten und den –erfolg haben könnten, lässt sich nicht auf einige wenige Beispiele wie Leistungsmotivation oder Risikobereitschaft beschränken. Zudem wird die jeweilige Bedeutung der einzelnen Merkmale in der Literatur stark diskutiert.
Im Rahmen dieser Arbeit soll ein Beitrag dazu geleistet werden, ein besseres Verständnis über den Einfluss von einzelnen Merkmalen zu erlangen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale, bezogen auf die einzelnen Phasen des Gründungsprozesses, gelegt. Im einzelnen werden folgende Fragen thematisiert:
(1) Welche Persönlichkeitseigenschaften wurden bisher mit welcher Methode ermittelt?
(2) Besitzen die ermittelten Persönlichkeitsmerkmale für die einzelnen Gründungsphasen die gleiche Relevanz?
(3) Ist es möglich, auf Basis bestimmter Persönlichkeitsmerkmale einzelne Gründertypen zu identifizieren?
(4) Welchen Einfluss hat die Umwelt auf die Persönlichkeit des Gründers?
(5) Ist es möglich, die ermittelten Eigenschaften auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen?
Zur Klärung der Frage welchen Einfluss die Gründerpersönlichkeit auf die Gründungsaktivität und den –erfolg hat, werden innerhalb der Gründungsforschung verschiedene Theorieansätze, die das Gründerverhalten jeweils über Eigenschaften, Motivationen oder Kompetenzen erklären, herangezogen. Im Gegensatz zum eigenschaftsorientierten Ansatz (Trait Approach), nachdem das Verhalten über die Zeit hinweg relativ stabil ist und von der Umwelt nur gering beeinflusst wird, folgen Theorieansätze der Motivationsforschung der Auffassung, dass die Entwicklung des Verhaltens der Sozialisation unterworfen ist und in Interaktion mit der Umwelt steht.
Im Rahmen dieser Arbeit wird der interaktionistischen Auffassung gefolgt. Zudem werden Kompetenzbündel zur Persönlichkeit gerechnet. Nach der Auseinandersetzung mit der Literatur und empirischen Untersuchungen gelangt der Verfasser zu dem Ergebnis, dass häufig untersuchte Persönlichkeitseigenschaften wie Risikobereitschaft und Kreativität zu Beginn des Gründungsprozesses einen starken Einfluss ausüben, ihr Einfluss jedoch im Laufe des Gründungsprozesses abnimmt. Hingegen nimmt der Einfluss der Umwelt, zum Beispiel in Form der Konkurrenz zu. Diesen Umwelteinflüssen ist die Gründerperson jedoch nicht hilflos ausgeliefert, sonder kann ihnen unter Einsatz von Strategien entgegentreten. Hierbei erlangen die vorhandenen und erlernbaren Kompetenzen eine zunehmende Bedeutung.
Bei der Auseinandersetzung mit den empirischen Untersuchungen wurde die mangelnde Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Untersuchungen ersichtlich, die aus den verschiedenen methodischen Instrumenten sowie aus den nicht eindeutig definierten Vorstellungsinhalten der einzelnen Persönlichkeitsmerkmale resultiert. Diese Schwäche setzt sich bei der Bildung von Gründertypen fort.