Ermittlung des immateriellen Unternehmenswerts - Nils Brandt
Abstract
Die Arbeit befasst sich mit der Ermittlung des immateriellen Unternehmenswerts mittelständischer Familienunternehmen. In diesen Unternehmen ist der Anteil immaterieller Vermögenswerte oft sehr hoch, da die Unternehmerfamilie in der Lage ist, diesen Wert durch die Schaffung eines Unternehmensbildes und eines guten Betriebsklimas zu erhöhen. Dies sollte bei der Unternehmensbewertung explizit berücksichtigt werden. Als charakteristische Bewertungssituation wird die familienexterne Unternehmensnachfolge herausgegriffen, da hierbei einerseits die umfassende Unternehmensbewertung einen höheren Stellenwert besitzt als bei der familieninternen Nachfolge, und um andererseits den Aspekt der Existenzgründung besonders zu betonen.
Als Einflussfaktoren des immateriellen Unternehmenswerts werden vor allem personenbezogene Aspekte identifiziert. Die Unternehmerfamilie kann direkt oder indirekt motivierend auf die Mitarbeiter einwirken, so dass eine Erfolgsrelevanz gegeben ist. Auch im Kontakt mit den unternehmensexternen Stakeholdern (Banken, Kunden oder Lieferanten) ist ein personenbezogener, wertrelevanter Personenbezug feststellbar. Im Nachfolgefall kann es zu einem Strukturbruch kommen, da die Nachfolger möglicherweise andere Führungsqualitäten haben und weniger auf bestehende Stammkunden und -lieferanten zurückgreifen können. Außerdem können Informationsasymmetrien zu Agency-Kosten führen, die ggf. vom Unternehmenswert abzuziehen sind.
Abschließend wird überprüft, wie solch ein unternehmensspezifischer immaterieller Unternehmenswert innerhalb von fünf gängigen Bewertungsmethoden – Ertragswert-, Discounted-Cashflow-, Goodwillrenten-, Multiplikatorenmethode sowie dem Realoptionsansatz – berücksichtigt werden kann. Es wird dabei gezeigt, dass die einzelnen Verfahren vor allem im Hinblick auf die Unternehmensgröße unterschiedliche Möglichkeiten aufweisen, den immateriellen Wert des Unternehmens zu ermitteln. Während die Ertragswertmethode in erweiterter Form häufig für diese Zwecke von der Wissenschaft empfohlen wird, raten Verbände und Kammern oft zur Verwendung der Multiplikatorenmethode. Letztere stellt sich jedoch als insgesamt unzureichend heraus. Die Methode der Goodwillrenten erscheint vor allem für kleine Familienunternehmen sinnvoll, während größere durchaus ein Discounted-Cashflow-Verfahren wählen können. Der Realoptionsansatz stellt eine sehr innovative Variante der Ermittlung immateriellen Unternehmenswerts dar. Es bedarf allerdings noch einiger Komplexitätsreduktion, bis er von mittelständischen Unternehmen sinnvoll angewendet werden kann.