Existenzgründung durch Unternehmensnachfolger – eine Charakterisierung von Studierenden mit Nachfolgeinteresse - Matthias Kotsch
Abstract
Viele Unternehmen, die in Folge der Nachkriegszeit gegründet wurden, befinden sich in der
zweiten Führungsgeneration. Diese Unternehmen sind in den vergangenen Jahren übergabereif geworden oder werden es in naher Zukunft. Dem Angebot an übergabereifen
Unternehmen steht die Gruppe der Nachfolgeinteressierten gegenüber, deren
Interessenbildung für eine mögliche Nachfolge in der Literatur bisher wenig Aufmerksamkeit
geschenkt wurde.
In dieser Diplomarbeit soll die Frage der Interessenbildung näher beleuchtet und eine
Charakterisierung der Studierenden mit Nachfolgeinteresse durchgeführt werden. Die Arbeit
widmet sich zunächst den theoretischen Grundlagen personenzentrierter Ansätze und ergänzt
diese mit den Ansätzen der Humankapitaltheorie, der Theorie sozialer Netzwerke und
Lazear´s Theorie des „Jack-of-all-trades“. Auf Basis dieser Theorien wurde im Rahmen einer
eigenen empirischen Untersuchung mit acht Nachfolgeinteressierten der Leuphana Universität
Lüneburg ein Interview geführt und durch ein qualitatives Forschungsmodell ausgewertet.
Hier werden Merkmale wie die familiäre Prägung der Nachfolgeinteressierten durch das
Elternhaus, die Auswirkungen von Kenntnissen und Fähigkeiten im Rahmen des
Humankapitals sowie das persönliche, soziale Netzwerk, untersucht.
Die Ergebnisse deuten auf einen starken Zusammenhang zwischen der Familie bzw. dem
näheren Umfeld und der Bildung eines Interesses an einer Unternehmensnachfolge hin.
Insbesondere die Phase der frühen Kindheit stellt sich als sehr prägend heraus und bildet die
Keimzelle für das untersuchte Interesse. Eine Charakterisierung konnte nur in begrenztem
Maß durchgeführt werden, da sich die Nachfolgeinteressierten als sehr individuell darstellten.