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Vom Studenten zum Unternehmer (Quelle: Welt online, Erscheinungsdatum: 18.08.2007) 27.09.07 12:23 Alter: 6 yrs Kategorie: Presseartikel
Quelle: Welt online Von Martina Brückner Ein Uni-Ranking zeigt: Die Ausbildung im Bereich Entrepreneurship hat sich in Deutschland deutlich verbessert. Die Universität Lüneburg gilt als bestes Sprungbrett in die Selbstständigkeit Erscheinungsdatum: 18.08.2007 Vom Studenten zum Unternehmer
Entrepreneurship Education gehört für amerikanische Studenten bereits seit Jahrzehnten zum Bildungsalltag - und damit die Annahme, dass Unternehmergeist lehr- und lernbar ist. In den vergangenen Jahren hat die Gründungslehre nun auch in der deutschen Hochschullandschaft verstärkt Einzug gehalten, wie die Studie "Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Hochschule bietet die besten Chancen?" unterstreicht. "Das Thema Selbstständigkeit befindet sich im Bereich der akademischen Ausbildung nach wie vor auf Expansionskurs", freut sich Professor Jürgen Schmude vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeografie an der Universität Regensburg, der die Studie mit seinem Mitarbeiter Stefan Uebelacker verfasst hat. Tatsächlich zeigen die Resultate des nach 2001 und 2003 zum dritten Mal durchgeführten Rankings, dass sich die Situation an den deutschen Hochschulen für künftige Unternehmer und Selbstständige wesentlich verbessert hat: Lehr-, Ausbildungs- und Beratungsprogramme zum Thema Entrepreneurship wurden zum Teil erheblich ausgebaut. "Immer mehr Akteure an den Universitäten erkennen die Notwendigkeit, entsprechende Angebote bereitzustellen", bilanziert Schmude. Positiv sei zudem festzustellen, dass sich Kooperationen innerhalb der Unis verfestigten und sich zahlreiche Institutionen rund um das Thema "Gründung" an den Hochschulen etabliert hätten. Doch ein Blick auf die Studie zeigt, dass die Qualität der Angebote in Sachen "Gründerqualifizierung" höchst unterschiedlich zu bewerten ist: Herausragender Spitzenreiter ist die Universität in Lüneburg (mit 344 von maximal 400 erreichbaren Punkten), gefolgt von Potsdam (333 Punkte) und Wuppertal (329 Punkte). "Bemerkenswert ist, dass zusätzlich zu den drei Erstplatzierten auch die Universitäten in Hohenheim, Kiel, München (LMU) und Rostock die 300-Punkte-Grenze überschreiten und damit insgesamt sieben Hochschulen über dieser Marke liegen", betont Schmude. "Top-Aufsteiger" des aktuellen Rankings sind die Universität Frankfurt am Main (von Platz 62 auf 21), die Universität Kassel (von Platz 38 auf 8) und die Universität Halle-Wittenberg (von Platz 65 auf 37). Absteiger dagegen sind die Universitäten Stuttgart (von Platz 5 auf 38) und die Universität Siegen (von Platz 7 auf 31). Insgesamt 72 Universitäten wurden im Uni-Ranking in acht Themenfeldern bewertet - vom Entrepreneurship-Lehrangebot und dessen Vermarktung über stimulierende Programme und Transferaktivitäten bis hin zur Motivation der Zielgruppe, Netzwerkbildung und dem tatsächlichen Gründungsgeschehen. Dabei zeigt sich deutlich: Entscheidend für ein gutes Abschneiden ist nicht allein die Einrichtung eines eigenständigen Gründungslehrstuhls. Zwar finden sich bei allen Hochschulen im Spitzenfeld derartige Einrichtungen - ausschlaggebend ist laut Schmude jedoch vielmehr "dass sie nicht die einzigen Akteure sind, sondern die Anstrengungen von mehreren Institutionen gemeinsam getragen werden." So lässt sich auch die hochschulische Unternehmerausbildung des Spitzenreiters Lüneburg laut Ranking am besten durch die Attribute "interdisziplinär" und "breit gefächert" umreißen. Zwar bildet auch hier der eigens dafür eingerichtete Bildungslehrstuhl den Kern der Entrepreneurship Education, aber das Lehrangebot ist keineswegs auf diesen allein beschränkt, sondern wird von verschiedenen Instituten und Forschungszentren getragen. Zahlreiche Vorlesungen zum Thema richten sich gezielt an "Nicht-Wirtschaftswissenschaftler" wie beispielsweise Studenten der Rechtswissenschaften. Tatkräftige Ideen für konkrete Gründungsvorhaben liefert zudem das Innovations- und Gründungszentrum e.novum. Im Blick auf die gründungsrelevante Aus- und Weiterbildung stellt jedoch die Bergische Universität Wuppertal "nach wie vor das Maß aller Dinge in Deutschland dar", wie Schmude betont. So konnte der ehemalige Spitzenreiter erneut seine Position als beste deutsche Uni in der Kategorie "Gründungsausbildung" behaupten. Verantwortlich für den Erfolg sei " sicherlich die klar definierte Aufgabenverteilung in der universitären Gründungsförderung", wie Professor Lambert T. Koch betont, der seit 1999 den Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung innehat. Im Sinne eines Drei-Säulen-Modells zählen dazu neben einem breit aufgestellten, systemischen Lehrprogramm das Institut für Gründungs- und Innovationsforschung sowie die Gründungs-Services, zu denen Beratung, Coaching, Gründungsmarketing und andere Begleitfunktionen einer modernen Gründungsförderung gehören. "Wichtig ist uns der methodische Dreiklang mit der gleichberechtigten Vermittlung von Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen, die Heranführung der Studierenden an die Praxisschwelle und die Einbindung in berufliche Netzwerke", beschreibt Koch das Erfolgsrezept des "Wuppertaler Modells". Auch in Wuppertal wird die Entrepreneurship-Ausbildung inhaltlich auf verschiedene Zielgruppen abgestellt - neben der Ausbildung von Wirtschaftswissenschaftlern insbesondere auch auf die Qualifizierung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. "Durch die vielfältige Präsenz des Themas Unternehmertum war mir schon während des Physikstudiums bewusst, das die Selbstständigkeit eine gute Alternative zur klassischen Jobsuche sein könnte", betont der Diplomphysiker und Ingenieur Heiko Hansen, der sein Beratungsbüro für Bauphysik, Akustik und Schallschutz 2003 gegründet - und 2005 den Wuppertaler Wirtschaftspreis in der Kategorie "Start-up des Jahres" erhalten hat. "Die umfassenden Angebote haben einen schon zur Unternehmensgründung ermutigt", betont Hansen, der sich neben der "breiten fachlichen Ausrichtung" seines Büros vor allem mit dem Thema "Energieeffizienz von Gebäuden" auch künftig gut aufgestellt sieht. Gut auf die Zukunft vorbereitet ist auch die Uni Wuppertal, die die Gründungsförderung laut Koch "als evolutorische Aufgabe" betrachtet. Dazu gehöre, dass man in der Lehre beispielsweise allmählich von der "universitären Logik des Denkens in Vorlesungszeit- und Semesterferien-Zyklen wegkomme", wie Koch betont: "Der Beratungs-, Coaching- und Qualifizierungsbedarf für Hightech-Gründer im immer schnelleren Innovationswettbewerb muss völlig losgelöst von diesen Zyklen gesehen werden." <- Zurück zu: Neueste Artikel |

