Mythos Existenzgründer – Eine vergleichende Darstellung und kritische Würdigung des aktuellen Forschungsstandes zur Gründerperson. Miriam Seitz

Schriften der frühen Gründungsforschung, in denen der Unternehmer als eine

herausragende Persönlichkeit dargestellt wird, haben den Mythos des Existenzgründers

maßgeblich geprägt. Schumpeter zeichnete bspw. das Bild des Pionierunternehmers

und legte für dessen Verhalten verschiedene Motivationen zu Grunde.

In der Diplomarbeit werden neben dem Unternehmerbild von Schumpeter auch die

von Say und Kirzner geprägten Unternehmerbilder dargestellt. Sie zählen, wie auch

Unternehmerbiographien und zahlreiche Eigenschaftskataloge aus Gründungsratgebern,

zum so genannten Intuitiven Ansatz der personenzentrierten Erklärung der

Gründungsaktivität und basieren nicht auf empirischen Untersuchungen. Die

Erklärung der Gründungsaktivität, also der Gründungsentscheidung einer Person,

fand aber auch in der empirischen Gründungsforschung besondere Beachtung. Dabei

sind unterschiedliche Forschungsansätze erkennbar. Zum so genannten Demographic

Approach werden Untersuchungen angeführt, die die demographischen, dem Unternehmensgründer

persönlich anhaftenden Merkmale in den Fokus stellen. Dominiert

wurde die Gründungsforschung allerdings von dem so genannten Trait Approach. In

diesem Ansatz wird der Entreprenuer als ein Motivbündel oder Set verschiedener

Charakteristika betrachtet. Die Diskussion des Trait Approach bildet den Schwerpunkt

dieser Arbeit. Die Analyse dieses Ansatzes wird in Anlehnung an Cattell in die

Konstrukte Fähigkeiten und Begabungen, Temperament sowie Motive und Einstellungen

gegliedert. Jedes der Konstrukte wird zunächst erläutert und schließlich

werden Untersuchungen des Zusammenhangs zur Gründungsaktivität vorgestellt. Zu

den in der Literatur am häufigsten diskutierten Eigenschaften der Gründerperson

zählen die Leistungsmotivation, das Unabhängigkeitsstreben, die Kontrollüberzeugung

und die Risikobereitschaft. Zu einem detaillierten Studienvergleich werden

37 Untersuchungen zur Leistungsmotivation, 25 Studien zum Unabhängigkeitsstreben,

22 Untersuchungen zur Kontrollüberzeugung und 17 Studien zur Risikobereitschaft

verwendet. In den Studien werden Hypothesen entsprechend dem

folgenden Muster aufgestellt (der Begriff Entrepreneur wird stellvertretend für

verschiedene den Studien zu Grunde liegenden Untersuchungsgruppendefinitionen

verwendet): Ein Entrepreneur unterscheidet sich durch höhere Leistungsmotivation,

stärkeres Unabhängigkeitsstreben, internale Kontrollüberzeugung und durch höhere/

moderate Risikobereitschaft von Nicht-Entrepreneuren (auch dieser Begriff wird hier

an Stelle der uneinheitlich zu Grunde liegenden Vergleichsgruppendefinitionen

verwendet). Außerdem wird in einigen Studien auch die Korrelation solcher

Eigenschaftsausprägungen mit der Gründungsaktivität untersucht. Zusammenfassend

kann festgehalten werden, dass einige Studien zwar Zusammenhänge bzw.

signifikante Unterschiede in der Merkmalsausprägung ermitteln, die Anzahl der

Studien, denen ein empirischer Nachweis signifikanter Zusammenhänge nicht

gelingt, ist jedoch auch beachtlich. In diesem Zusammenhang wird auf zahlreiche

Kritik am Trait Approach eingegangen. Beispielsweise sei hier die Anwendung von

ungeeigneten Methoden, die Voraussetzung der Stabilität der Eigenschaftsmerkmale,

die unterschiedlichen Untersuchungsgruppendefinitionen und die Verallgemeinerung

von Ergebnissen auf den „typischen“ Unternehmensgründer erwähnt. In Anbetracht

dieser Kritik ist es nicht möglich, aus dem Studienvergleich eindeutige Schlüsse

hinsichtlich der Bedeutung einzelner Eigenschaftsmerkmale zu ziehen. Es bleibt

daher festzuhalten, dass Eigenschaftsmerkmale einen, jedoch nicht den einzigen

Faktor für die Erklärung der Gründungsaktivität bilden.